Die Gründer der Genossenschaft Hanspeter Amann und Peter Zuber sprachen am 29. Oktober 2008 mit den einzigen noch lebenden Gründungsmitgliedern Margrit und Emil Trachsler-Amacher. «Ich war 1957 die erste fest angestellte Gemeindefürsorgerin in Wetzikon» erzählt Margrit Trachsler- Amacher mit leuchtenden Augen. »Zu meinen Aufgaben gehörte es, alte Leute zu betreuen, und ich merkte bald einmal, dass etwas geschehen musste. Aber allein hätte ich es nicht tun können. Ich trat deshalb mit meinem Anliegen vor die zuständige Behörde.» Emil Trachsler, Steuer- und Vormundschaftssekretär, unterstützte das Projekt von Anfang an und half. Zusammen überzeugten sie eine Gruppe von Wetzikern aus allen politischen Lagern und von beiden Konfessionen, dass für die Betagten in Wetzikon Wohnungen zu bezahlbaren Preisen geschaffen werden sollten. Jeder zahlte 100 Franken ein und die Genossenschaft konnte gegründet werden. Doch dann brauchte es Geld für den Bau. Emil Trachsler nutzte sein Beziehungsnetz, ging von Haus zu Haus und überzeugte manche betuchte und weniger betuchte Mitbürger, Anteilscheine der Genossenschaft zu kaufen. Die meisten taten dies mehr aus Solidarität denn aus Eigennutz, denn sie brauchten selbst (noch) keine Alterswohnung.
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Das Ehepaar Trachsler in seiner Wohnung in Uster. |
Mit Beiträgen von 100, manchmal 1000 oder gar 5000 Franken wurde das Eigenkapital geäufnet. Die Gemeinde half grosszügig mit – unter den Gründungsmitgliedern waren drei Gemeinderäte und der Gemeindepräsident – und auch die Subventionsbehörden boten Hand. Sie stellten dafür Bedingungen zum Bau: ein Zimmer für eine Einzelperson, nicht mehr, und eine Badeanlage im Haus. Doch die alte Generation stellte, 15 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, keine hohen Ansprüche und lebte bescheiden.
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| Die AHV war noch neu, die meisten Alten erhielten bloss eine Übergangsrente. Margrit Trachsler-Amacher erzählt, wie sie an der Wetziker Chilbi 1960 einen Stand führte, dort «glismeti Chleiderbügel» verkaufte und so für die Idee und neue Genossenschafter warb. Der erste Bau an der Spitalstrasse kam zustande, die Mieter zogen ein. Sie waren 70 bis 80 Jahre alt, bezahlten 60 Franken pro Monat für eine 1-Zimmer-, 80 Franken für eine 2-Zimmer-Wohnung. Es kamen mehr Einzelpersonen als Ehepaare. Der Hauswart war auch Betreuungsperson. Emil Trachsler als Vorstandsmitglied verwaltete ehrenamtlich die Genossenschaft. Wetzikon war die erste Gemeinde auf dem Land, die genossenschaftliche Alterswohnungen erstellte. Es gab solche in der Stadt Zürich, wo die Gründer manches abschauten. Auch Uster hatte noch keine solche Wohnungen, zeigte sich aber interessiert, wie viele andere Gemeinden auch. So zogen denn die Gründer durchs Land und hielten Vorträge, in denen sie das Beispiel der Wetziker Genossenschaft erläuterten. Die ersten Jahre der Genossenschaft waren eine begeisternde Zeit. Alle zogen am gleichen Strick, die beiden Häuser Spitalstrasse entstanden in rascher Folge und schon stand das dritte Projekt in Kempten vor der Tür. Wetzikon war im Aufbruch: die Kantonsschule hatte vor wenigen Jahren geöffnet und zog neue Einwohner an, die Kunsteisbahn stand im Gespräch. «Sie trat gewissermassen in Konkurrenz zu unserer Genossenschaft» erinnert sich Margrit Trachsler, «doch es waren nicht die gleichen Leute, die dort einzahlten, eher die Jüngeren.» Ob es denn heute – 50 Jahre danach – immer noch preiswerte Alterswohnungen brauche? «Bestimmt», meint Frau Trachsler, «es braucht einen Ort, wo die Alten wohnen können, als Zwischenstufe oder auch anstelle des Alterswohnheims, das nicht die alleinige Lösung sein kann. Doch heute haben die Alten mehr Geld als damals.» Sie hätten mit Inseraten und im direkten Gespräch Mitglieder für die Genossenschaft geworben, das könne man heute sicher auch noch tun. | ||
Nach Gründung in einem rasanten Tempo zur Verwirklichung der 1. und 2. Etappe Die Initiative zur Gründung der Genossenschaft ging seinerzeit von der Vormundschaftsbehörde aus. Den eigentlichen Anstoss gab Margrit Amacher, die mehrmals auf das Wohnungsproblem der betagten Leute aufmerksam machte. Nachdem die Vormundschaftsbehörde die Alterssiedlung in Dietikon besichtigt hatte und sich andernorts auch noch erkundigte, kam diese Behörde zur Ansicht, dass nicht eine politische Behörde, sondern eine Genossenschaft Trägerin einer solchen Siedlung sein sollte. Zu den Gründungsmitgliedern zählten damals folgende Vertreter der Vormundschaftsbehörde: • Eugen Bünzli, Gemeinderat Es wurden weitere Gründungsmitglieder gesucht und gefunden, nämlich: • Flora L’Eplattenier Die erwähnten Personen fanden sich am 16. Dezember 1959 unter der Leitung von Emil Trachslerzur Gründungsversammlung zusammen, welche Werner Weber als ersten Präsidenten und alle übrigenals Vorstandsmitglieder bestimmte.Die Geburtsstunde der Genossenschaft AlterssiedlungWetzikon war damit besiegelt. Der Vorstandbeantragte am 16. Januar 1960 die Anmeldungzur Eintragung der Genossenschaft AlterssiedlungWetzikon in das Handelsregister desKantons Zürich.Der Vorstand packte die Aufgaben mit grossemEngagement an und realisierte die erste und zweite Etappe neben dem Bürgerheimareal an der Spitalstrasse in Unterwetzikon in einem unglaublichraschen Tempo. Die nachstehend aufgeführten Sitzungsintervallezeigen dies in deutlicher Weise auf.
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Die Alterssiedlung an der Spitalstrasse in ihrem ursprünglichen Zustand.
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14. Januar 1960 2. Februar 1960 24. Februar 1960 23. März 1960 9. Mai 1960 • Ein-Zimmer-Wohnungen Monatsmiete zwischen 60 und 65 Franken |
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Vorwärtsstrategie Kurz nach der Realisierung der zweiten Etappe stand fest, dass preisgünstiges Wohnen für Senioren einem echten Bedürfnis entsprach. Das Angebot konnte der starken Nachfrage nicht mehr gerecht werden. |
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Die Alterssiedlung im Guldisloo. |
Die Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon realisierte in chronologischer Aufzählung folgende Projekte: Ende 1964 wird ein Projektwettbewerb für eine zweite Siedlung an der Kreuzackerstrasse in Kempten, K7, ausgeschrieben. Aus sieben eingereichten Projekten soll dasjenige von Alfred Frei, Architekt, Kempten, realisiert werden. An der Urnenabstimmung vom 6. Februar 1966 stimmt der Souverän folgenden Begehren zu:
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• Abtretung von 4063 Quadratmetern Gemeindeland im Baurecht an die Genossenschaft Alterssiedlung
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Die Alterssiedlung an der Kreuzackerstrasse 7, K7, in Kempten. |
Am 26. November 1967 findet ein «Tag der offenen Tür» statt. Im Jahresbericht 1972 wird erstmals von einer eventuellen dritten Siedlung berichtet. Diese Absicht wird ernsthaft weiter verfolgt, doch zeichnen sich über Jahre hinweg keine konkreten Ergebnisse ab. An der Vorstandssitzung vom 15. August 1980 erwähnt Dr. Jürg Welti, dass die Möglichkeit gegeben ist, im Guldisloo eine geeignete Parzelle mit Architekturverpflichtung zu erwerben. Am 16. September 1980 nimmt der Vorstand mit Freude zur Kenntnis, dass der Gemeinderat auch bei der Verwirklichung einer dritten Siedlung Hilfe in Aussicht stellt. |
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| Das Architekturbüro Sattler wird beauftragt, ein Vorprojekt zu erstellen. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom 14. Oktober 1980 werden sowohl Landkauf als auch das Vorprojekt genehmigt. Am 22. Mai 1981 wird das definitive Baugesuch der Gemeinde übergeben, welche nach vielen Detailabklärungen am 26. Januar 1982 endlich die Baubewilligung erteilt, allerdings mit zahlreichen Bedingungen und Auflagen. Ab Juli 1983 können die modernen Wohnungen in den Häusern Talstrasse 23 b und Talstrasse 23 c bezogen werden und ab April 1984 ist auch das subventionierte Wohnhaus an der Talstrasse 23 a bezugsbereit.
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Spitalstrasse 30 in Unterwetzikon nach dem Umbau. |
Unmittelbar nach der Genehmigung der Bauabrechnung «Guldisloo» am 18. Juni 1985 befasst sich der Vorstand mit der Idee eines eventuellen Umbaus der Siedlung in Unterwetzikon. Keine der erstellten Projektstudien konnte den Vorstand jedoch befriedigen. Im Jahre 1986 gelangt das Alterswohnheim an die Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon mit der Anfrage, das Wohnhaus an der Spitalstrasse eventuell an das Alterswohnheim abzutreten.
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Die Heimkommission verzichtet dann aber im Januar 1987 endgültig darauf. Der Vorstand der Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon diskutiert in der Folge drei Varianten, nämlich: • Bau einer neuen Siedlung auf einem anderen Grundstück und Verkauf der bisherigen Siedlung |
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Spatenstich für den Neubau Kreuzackerstrasse 1 in Kempten. |
Mit der Politischen Gemeinde wird der Baurechtsvertrag ausgehandelt und an der Gemeindeversammlung vom 13. Juni 1995 wird der Gestaltungsplan «Feld» genehmigt. Die Baubewilligung wird am 10. April 1996 mit insgesamt 32 Bedingungen beziehungsweise Auflagen erteilt. An der Generalversammlung vom 10. Mai 1996 wird der Baukredit von 11,5 Millionen Franken bewilligt. Aus Kostengründen muss auf einige Ausbauwünsche verzichtet werden. Für den Neubau Kreuzackerstrasse 1 in Kempten, K1, findet der Spatenstich am 8. Oktober 1996 statt. Die 38 neu erstellten Wohnungen werden im Oktober 1998 bezogen.
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| Die Bevölkerung ist am 3. November 1998 für eine Besichtigung des Neubaus sowie der Wohnungen eingeladen. Der Kostenvoranschlag für den Umbau Kreuzackerstrasse 7 in Kempten, K7, beträgt 6,2 Millionen Franken und wird an der Generalversammlung vom 14. Mai 1998 genehmigt. Die Baufreigabe erfolgt am 12. Januar 1999. Die Mieter können im September / Oktober 2000 in die neu erstellten Wohnungen einziehen. Am 18. November 2000 findet ein weiteres Mal ein Tag der offenen Tür statt. | ||
Die Präsidenten und Verwalter der letzten 50 Jahre |
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Präsidium |
Verwaltung |
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Werner Weber, Gründungspräsident |
Fazit Die Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon hat sich seit der Gründungsstunde mit einer unglaublichen Dynamik entwickelt. Der Vorstand hat zu jeder Zeit die zukunftsweisenden Zeichen erkannt. Die Genossenschaft realisierte bedürfnisbezogen Projekte mit dem Ziel «preisgünstiges Wohnen» zu ermöglichen. |
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