Generalversammlung 2010 der Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon – öffentliches Protokoll
Verfasst von admin unter Allgemein, Genossenschafts Intern am 13. Mai 2010
Am 7. Mai fand die ordentliche Generalversammlung der Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon im Zentrum Drei Linden statt.
Richard Martin weist in seinem letzten Jahresbericht darauf hin, dass das Jahr 2009 ganz im Zeichen „Fünfzig Jahre Alterssiedlung Wetzikon“ stand. Mit einer Feier und einer Festschrift blickten wir zurück auf 50 Jahre Geschichte und nahmen einem Ausblick in die Zukunft.
Im Oktober/November wurden die Küchen der Siedlungen Talstrasse 23a und 23b saniert. Die Küchen der Siedlungen Talstrasse 23c und 19 erfolgen im diesem Frühjahr.
Richard Martin verabschiedet sich mit einem grossen Dank an alle, die ihn in seiner 20-jährigen Amtszeit begleitet haben.
Am 1. Januar hat Jean-Pierre Kuster das Präsidium übernommen. Er weist auf unsere gut unterhaltenen Liegenschaften hin und dass wir für die Zukunft planen. An der nächsten Generalversammlung können wir darüber informieren, in welche Richtung wir gehen wollen.
Die Jahresrechnung wurde in einer bereinigten und verständlicheren Form den heute üblichen Normen angepasst. Die Genossenschaft steht mit gesunden Finanzen da. Die Rechnung wurde ohne Gegenstimme genehmigt und dem Vorstand und der Verwaltung Décharge erteilt.
Vorstandsmitglied Franz Ramser wurde für eine weitere Amtszeit bestätigt, ebenso Revisor Jürg Joos. Alfred Iten wurde vom Gemeinderat für weitere 4 Jahre in unseren Vorstand abgeordnet.
Verfasserin des öffentlichen Protokolls: Elsbeth Koller, Geschäftsführerin
Weiterführende Dokumente:
GV 2010 – Jahresbericht
Jahresrechnung 2009 – Anhang zur Jahresrechnung
Jahresrechnung 2009 – Bilanz
Jahresrechnung 2009 – Erfolgsrechnung
Schulung “Einführung ins Internet”
Verfasst von admin unter Allgemein, Genossenschafts Intern am 30. März 2010
Folgende von der ZOFA (Zürcher Oberländer Film- und Videoamateure) erstellte Information richtet sich an die Genossenschafter der Alterssiedlung Wetzikon:
Am Klubabend vom 9. Februar haben wir eine Schulung zum Thema „Einführung ins Internet“ vorgeschlagen. Sie richtet sich in erster Linie an Leute, die noch keinen Internetanschluss haben, aber auch an Mitglieder, die gerne einen „Wiederholungskurs“ absolvieren möchten. Es haben sich spontan zwei Mitglieder angemeldet. Andere Klubs haben bereits 2008 den postalischen Versand von Klubunterlagen, Einladungen usw. eingestellt. Auch wir machen uns im Vorstand Überlegungen, die in eine ähnliche Richtung gehen. Die Vorteile sind offensichtlich: Man spart die Portokosten und man ist erst noch schneller, umfassender und aktueller informiert.
Um diese Schulung durchführen zu können, müssten sich mindestens 10 Mitglieder dafür interessieren. Obwohl der Klubabend mit 26 Teilnehmern gut besucht war, ist uns klar, dass viele Mitglieder nicht dabei waren. Darum senden wir euch die wichtigsten Infos schriftlich zu. Wir haben als Schulungsleiter einen besonders versierten Fachmann gefunden, welcher auch nachher für uns da ist. Er führt jede Woche Kurse zu verschiedensten Themen der Informatik und des Internets durch. Seine Kurse sind besonders preisgünstig und verpflichten nicht zum Kauf irgendwelcher Produkte oder Dienstleistungen.
Folgende Themen sind bei dieser Schulung vorgesehen:
• Wie bekommt man einen Anschluss, welche Anbieter gibt es?
• Welche Hardware braucht es?
• Einrichtung der Betriebssoftware
• E-Mail
• Browser
• etc..
• Mit welchen Kosten muss man rechnen?
Für die Schulung stehen einige Notebooks zur Verfügung, diejenigen, die bereits ein Notebook haben, können dieses mitbringen.
• Die Kosten dieser Schulung betragen CHF 20.- / Teilnehmer.
• Dauer etwa 2 Stunden
• Datum: noch nicht festgelegt
Anmeldung bis 13. April 2010
telefonisch oder schriftlich beim ZOFA-Präsidenten:
Hans Wagenmakers
Bergstr. 18, CH-8340 Hinwil Tel: +41 44 937 2565, Mobil: +41 79 437 1924
E-Mail: info@zofa.ch
Newsletter aus dem Stadthaus Wetzikon 4/2010
Die Alterssiedlung Wetzikon möchte darauf hinweisen, dass die Stadt Wetzikon einen interessanten Mailservice betreibt, welcher die Besteller über alle laufenden Geschäftsangelegenheiten und gesellschaftlichen Aktualitäten informiert. Der Newsletter, RSS-Feed sowie SMS-Dienstleistungen können unter folgendem Link (z.T. kostenlos) angefordert werden: http://www.wetzikon.ch/stadt/services/view
Nachfolgend ein Auszug betreffend Alterskonzept der Stadt Wetzikon:
“Das heutige Alterskonzept datiert aus dem Jahr 1996, ist aber in vielen Belangen nach wie vor aktuell und eine Überarbeitung muss folglich nicht bei “Null” beginnen. Trotzdem erachtet es der Gemeinderat als angebracht, die Strukturen und das Angebot im Altersbereich der Stadt Wetzikon zu überdenken und allenfalls anzupassen. Dazu wird unter fachlicher Beratung einer externen Firma das Alterskonzept überarbeitet. Die ortsansässigen Organisationen werden in diesem Projekt eingebunden. Der Gemeinderat hat dafür einen Kredit von Fr. 40’000.– bewilligt.”
Information des Vorstandes
Verfasst von admin unter Allgemein, Genossenschafts Intern am 5. Februar 2010

Der Vorstand der Genossenschaft Alterssiedlung Wetzikon
von links: Peter Zuber, Rolf Schleh, Elsbeth Koller (Geschäftsführerin) Alfred Iten (Gemeinderat), Rico Sattler, Annelies Siegenthaler, Jean-Pierre Kuster, Franz Ramser, Konrad Siegfried, Elsbeth Egli
Am 29 .Januar 2010 zog sich der Vorstand nach Wernetshausen zurück, um erstmals unter Führung seines neuen Präsidenten, Jean-Pierre Kuster, eine Standortbestimmung und einen Ausblick vorzunehmen.
Er stellte fest, dass alle Liegenschaften in gutem Zustand sind. Die nächsten grösseren Unterhaltsarbeiten sind frühestens ab 2015 zu planen.
Die Genossenschaft Alterssiedlung steht mit gesunden Finanzen da. Wir können weitere Abschreibungen tätigen. Dank den vorteilhaften Finanzierungs-Bedingungen für Genossenschaften können wir jetzt auch ein neues Projekt ins Auge fassen.
Was kommt auf uns zu? Die Zunahme der älteren Leute beträgt 50 % in den nächsten 20 Jahren. Die Anforderungen an die Wohnungen werden vielfältiger.
Wir werden neben der klassischen Alterssiedlung auch neue Modelle prüfen, wie sie andernorts entstehen, zB Wohnungen mit Service in Zusammenarbeit mit dem Alterswohnheim. Gegenüber anderen Alterswohnungen bietet unsere Genossenschaft Vorteile:
- Günstiges Preissegment
- Darlehen der Stadt Wetzikon, Land im Baurecht, Zone für öffentliche Bauten
- Sicherheit und Mitbestimmung der Mieter
- Nicht gewinnorientiert
Für den Gemeinderat sind wir so etwas wie sein verlängerter Arm in Fragen des Alterswohnens. Er wird im laufenden Jahr seine Alters-Strategie professionell ausarbeiten lassen und darin unsere Rolle verankern. Wir selbst wollen uns in diesem Jahr eine Meinung bilden, wo und wann unsere nächste Siedlung entstehen kann.
Der Vorstand der Genossenschaft sieht sich als ein gutes Team und wird noch etwa zwei Jahre in dieser Zusammensetzung weitermachen; danach möchten sich einzelne Mitglieder durch neue Leute, Frauen und Männer mit Engagement und Fachwissen, ablösen lassen.
Die nächste Generalversammlung (nur für Genossenschafter) findet am 7. Mai 2010 im Drei Linden statt.
NZZ – Illusionen und Tabus in der Alterspolitik
Link: http://www.nzz.ch/2007/03/17/il/kommentarezimd_1.129137.html
Auszug aus dem Artikel:
“Der Deutsche Bundestag stimmte vergangene Woche der schrittweisen Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre zu. Der zuständige Minister ist ein Sozialdemokrat. Der schweizerische Sozialminister, Pascal Couchepin, wurde vor vier Jahren mit Schimpf und Schande bedacht, weil er öffentlich über dieses Thema nachdachte. Illusionen, Tabus und festgefahrene Positionen blockieren auch die 11. AHV-Revision. Sie wird voraussichtlich auch in dieser Legislatur nicht verabschiedet, ausser die zuständige Nationalratskommission käme auf ihren Beschluss zurück, das heisse Eisen bis nach den Wahlen in einem Unterausschuss zwischenzulagern.”
Neue Zürcher Zeitung, 2007
Gesundheitsförderung Kanton Zürich – Gesundheit fördern im Alter
Gesundheitsförderung Kanton Zürich – Gesundheitsförderung im Alter
Auszug aus der Datei:
“Der Alltag prägt Ihre Gesundheit. Auch im Alter. In dieser Broschüre finden Sie Tipps, wie Sie Gesundheit auch in der dritten Lebensphase fördern und erhalten können.”
Gesundheitsförderung Kanton Zürich, 2009
Deutsche Bundesregierung – Erfahrung ist Zukunft
Auszug aus der Website:
“Alternde Belegschaften werden bereits in wenigen Jahren ein verbreitetes Phänomen vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen sein. Unternehmen müssen daher schon heute umdenken lernen, um mit im Durchschnitt älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auch künftig innovativ und wettbewerbsfähig bleiben zu können.
Studien belegen, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Arbeitsleistung älterer und jüngerer Menschen gibt. Dieses Vorurteil ist aber in der betrieblichen Praxis immer noch weit verbreitet. Nur langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Ältere Vorteile gegenüber Jüngeren haben: Ältere Menschen haben aufgrund ihrer langen Erfahrung einen besseren Überblick über komplexe Projekte, sind häufig gelassener und können ihre Zeit flexibler einteilen.”
Presse- und Informationsamt der deutschen Bundesregierung, 2009
Kanton Zürich – Beratung zum Thema Wohnen im Alter
Link: http://www.stadt-zuerich.ch/gud/de/index/alter/beratungsstelle_wohnenimalter.html
Auszug aus der Website:
“Die Beratungsstelle Wohnen im Alter unterstützt Sie dabei, in Ihrer Wohnung eine gute Wohn- und Lebenssituation zu schaffen, die auch im hohen Alter Lebensqualität verspricht.
Die Beratungsstelle Wohnen im Alter begleitet Sie in Ihrem Entscheidungsprozess, wenn Sie an Ihrer Wohn- und Lebenssituation etwas ändern wollen oder müssen.
Die Beratungsstelle Wohnen im Alter nimmt Ihre Anmeldung für eines der Wohn- oder Pflegeangebote des Gesundheits- und Umweltdepartements der Stadt Zürich entgegen.
Die Beratungsstelle Wohnen im Alter bietet ihre Dienstleistungen den Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Zürich sowie deren Angehörigen und Bezugspersonen an. Sie ist kostenlos.”
Kanton Zürich, 2009
Hannelore Schlaffer’s Essays über “Das Alter”
Link: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=7247
Auszug aus literaturkritik.de:
“Das Thema “Alter” boomt: Nachdem die Werbung begonnen hat, die Älteren als kauftüchtige Konsumenten zu entdecken, bekennen sich die öffentlich-rechtlichen Sender zur Zielgruppe der über 49-Jährigen, und zur Jahrtausendwende erwies das “F. A. Z.”-Feuilleton seinen Lesern Reverenz mit der Reihe “Das Moses-Projekt”; inzwischen feiert “F. A. Z.” -Mitherausgeber Frank Schirrmacher Bestsellererfolge mit dem Buch “Methusalem-Komplott”.
Die Hinwendung zu alten Menschen trägt der demographischen Entwicklung Rechnung und dem Umstand, dass Alt-Werden ein Schicksal darstellt, das jeden ereilt, der nicht den Tod vorzieht. Aus der zunehmenden Häufigkeit und Unausweichlichkeit des Alterns mag sich die Tendenz erklären, den dritten Lebensabschnitt euphemistisch zu benennen, wie man ja auch den moderaten Komparativ “älter” dem barschen “alt” vorzieht, und ihn in einem positiven Licht zu sehen. Inwieweit diese Mentalität und der optimistische Alters-Diskurs allerdings der verführerischen Scheinwelt der Werbung folgen (und nicht umgekehrt), wäre ebenso zu bedenken wie die Frage, ob die neue Offenheit, die den Alten alles zugesteht, wovon die Jungen träumen – vom ausschweifenden Sexualleben über die Weltreise bis zum Extremsport – ihrerseits repressiv wirkt. Die Forderung bis ins hohe Alter wach, flexibel, mobil, unternehmungslustig, am Weltgeschehen interessiert zu sein und sich sinnvoll zu beschäftigen, ist nicht weniger bedrückend als der nunmehr überwundene Anspruch, im Alter habe man sich in Beschaulichkeit zurückzuziehen, kontemplativ die Früchte des Erwerbslebens zu genießen und ansonsten gelassen dem Tod entgegenzuwarten.
Das Ideal gelassener Überlegenheit, abgeleitet aus klassischen Traktaten über das Alter wie Ciceros “De senectute” (44 v. Chr.), hat lange Zeit und nachhaltig die Vorstellungen über das Alter bestimmt, nicht zuletzt, indem es das Alter konzeptionell völlig von der Erfahrung der Krankheit löste, wie Hannelore Schlaffer in ihrem Essay “Krankheit und Schönheit” nachzeichnet. Der Text ist der erste von fünf zum Teil zuvor unabhängig publizierten Essays, die jetzt in einem Bändchen der bibliophilen “Bibliothek für Lebenskunst” des Suhrkamp Verlages vorliegen.
Das Buch vereinigt alle Vorzüge und Ärgernisse einer solchen feuilletonistischen Publikationsgeschichte. Der kulturwissenschaftliche, wenn auch inhärent literaturwissenschaftliche, Zugang zum Thema pflegt den schweifenden Blick, der literarische Motive, historische Anekdoten und tagesaktuelle Ereignisse gleichermaßen erfasst und der es vermag, zeitlich, räumlich oder medial Fernes perspektivisch so anzunähern, dass Ähnlichkeiten ins Auge fallen, Bezüge deutlicher, Unterschiede offensichtlicher werden. Zuspitzung, Verallgemeinerung und persönliche Verve begründen indes eine diskursive Nähe der Ausführungen zur engagierten Frauenzeitschrift, und die Tendenz zum name-dropping verstimmt: Texte und Autoren werden nur so oberflächlich gestreift, dass der nicht mit ihnen Vertraute kaum einen Gewinn aus ihrer bloßen Nennung ziehen dürfte. Wer die angeführten Werke hingegen kennt, erfährt nicht nur nichts Neues; er erkennt im Beschriebenen auch oft die eigenen Lesererinnerungen kaum wieder, so pauschal und zuweilen forciert fokussiert auf einzelne Motive sind die Ausführungen, so wenig scheint in ihnen auf, dass die literarischen Quellen auch poetische Zeugnisse sind.
Gleichwohl hat Hannelore Schlaffers Buch zwei unbestreitbare Verdienste: Es wurde von einer scharfsichtigen Intellektuellen und einer der wenigen Germanistikprofessorinnen in der Generation der jetzt über 60-Jährigen geschrieben. Und: Es reflektiert das Problem der Autorschaft im Zusammenhang mit dem Thema ebenso wie den Sonderfall der weiblichen Autorschaft als geschlechtsspezifischen Blick auf das Alter, denn: “Sobald sich ein Autor entschließt, über das Alter zu schreiben, beharrt er auf der Definition des Alters als eines Zustandes des gesunden, denk- und handlungsfähigen Menschen. Krankheit und Verfall aus der Definition auszuschließen gehört selbst zum Leitgedanken der traditionellen Rede über das Alter.” Und: “Auch im Alter gibt es zwei Kulturen.”
Aus dem Spannungsverhältnis dieser Kernthesen, der furchtsamen Abspaltung von Krankheit und Tod vom Phänomen des Alters einerseits und dessen Umkodierung zur zweiten Jugend andererseits, entwickelt Schlaffer die kulturhistorischen, gesellschaftspolitischen und geschlechterspezifischen Konsequenzen: “Da die Männer nicht zugeben wollen, wie wichtig ihnen die Illusion der Jugend, die erotische Bereitschaft also, ist, haben sie die unangenehme Aufgabe, tatsächlich zu altern, den Frauen übertragen.”
Während die Modifikationen, die das Bild vom alten Menschen erfahren hat, dem Mann erlauben, seine mittleren Jahre einfach auszudehnen, indem er nicht zuletzt durch das Prestigeobjekt der jungen Gefährtin oder zweiten, dritten Ehefrau an der Aura der eigenen Potenz festhält, hat sich die Situation für Frauen im Alter keineswegs verbessert, eher im Gegenteil: Ist der alternde Mann mit junger Geliebten von der Witzfigur, die er im mittelalterlichen Schwank abgab, über die peinlich-tragische Figur, als die er noch bei Goethe auftritt, nunmehr zur bewunderten Persönlichkeit geworden (als Beispiele führt Schlaffer Schröder und Schrempp an, inzwischen ließe sich Außenminister Fischer hinzufügen), so altert die Frau “von der Pubertät an”, insofern ihr vom Moment ihrer ersten erotischen Attraktivität an mit deren Verlust gedroht wird, nicht zuletzt von einer vorgeblich hilfsbereiten Kosmetikindustrie.
Der Beitrag “Todesangst und Lebenshunger” überträgt das Modell der Aufspaltung und Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern auf die interne Struktur des Alters. Weil keine “allgemeine Vorstellung von dem, was Alter sei und wann es beginne, besteht”, umspanne es inzwischen drei Epochen: “die ersten Pensionsjahre, das altersschwache Greisenalter und die Sterbezeit.” Während zumindest die erste Phase von den in der Geriatrie so genannten “jungen Alten” genossen werde wie eine zweite Jugend, übernähmen die “alten Alten” in einem arbeitsteiligen Prozess, stellvertretend für die Gesamtgesellschaft und möglichst deren Blicken entzogen, die Aufgabe, sich “ums Sterben zu sorgen”, die eigentlich allen Alten übertragen sei. Der aktive “Senior” aber verberge seine “Todesangst hinter der Lebenslust” und kämpfte, ganz “Handwerker seines Wohlbefindens”, als Anhänger des Fitness- und Ernährungskults darum, das biologische Alter hinauszuschieben.
Der zentrale und längste Essay “Charaktere” zeichnet eine historische Entwicklungslinie vom “Staatsmann”, über den “Großvater”, den “großen Alten” und den “Lebensmüden” bis zu den “Senioren und Seniorinnen” der Gegenwart: “Der Staatsmann” portraitiert mit Cicero den ersten Vertreter einer Altersphilosophie, die von der Mitte des Lebens her denke und das Ziel habe, das Verhältnis unter den Generationen zu organisieren, auch indem sie die Jungen auf ihren Platz verweise. Das Alter werde gepriesen, weil es auf Erfahrung fuße und seine Würde auf der Erscheinung des reinen Geistes gründe. Das Lob des Alters stehe indes nicht im Dienst der Verlängerung des privaten Lebensgenusses, sondern verteidige Autorität im Sinne des Staatswesens. Dieser Machtanspruch, kaschiert als Würde und Weisheit, finde sich auf die private Sphäre übertragen und dort verkörpert durch den Großvater. Dessen Wirkungsmacht sei zwar sozial eingeschränkt und werde literarisch seit dem 19. Jahrhundert mit der Erfindung von ‘Kindheit’ und ‘Familienglück’ verniedlicht; die durch Ehescheidung in die Situation von Alleinerziehenden Gebrachten des ausgehenden 20. Jahrhunderts hätten aber die Allianz von Großeltern und Enkel-Generation gestärkt: “Die Alten sind”, schließt Schlaffer, “im Jahrhundert der Singles die Träger der Familienideologie.” Dass hier die Trennschärfe zwischen den role models von Großmutter und Großvater verloren geht, liegt auch daran, dass Schlaffer einerseits ihren Essay am Ordnungsprinzip männlicher Charaktere ausrichtet, um ihre These von der Kontinuität männlicher Definitionsmacht des Alters von Cicero bis Améry zu belegen, andererseits aber auf kultur- und gegenwartskritische Seitenhiebe allgemeinerer Natur nicht verzichten mochte.
Überzeugender gerät “der Große Alte”, eine in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert im Bereich der schönen Literatur erschaffene Fiktion, die die politische Funktion des alten Staatsbürgers poetisiere. Den Prototypus des Großen Alten verkörpert Goethe, aber auch Platon, Adenauer, Leonardo, Tizian, Mommsen, Tolstoi und in der Gegenwart zählt die Verfasserin Jünger und Gadamer zur Riege derer, deren reale Funktionslosigkeit dadurch kompensiert würde, dass man ihr ‘Genie des Alters’ verehre. So würden die Wohnsitze der göttlichen Alten zu “Wallfahrtsorten” oder “Gnadenorten”, wie es bei Thomas Mann heißt, der in seinem Essay über Goethe und Tolstoi Proben seiner Geronthophilie gibt. Sie weisen voraus auf Manns eigene Präsentation und Repräsentation als “großer Alter”, wie sie zuletzt in Breloers “Mann”-Film zur Schau gestellt wurde.
Im 20. Jahrhundert träten im Diskurs über das Alter erstmals Sarkasmen offen zu Tage und zerstören die rhetorische Fiktion eines glücklichen Alters. In Jean Amérys Schrift “Über das Altern. Revolte und Resignation” sieht Schlaffer die Gründungsurkunde einer unverstellt depressiv-zynischen Sicht auf körperlichen und seelischen Verfall. Aus dieser Perspektive bedeutet Altern “Weltmißlingen” und den Verlust von Ich-Identität: “Ich bin Ich im Alter durch meinen Körper und gegen ihn: ich war ich, als ich jung war, ohne meinen Leib und mit ihm. Die Qualität meines sich gegen die Vernichtung hin bewegenden Körpers wird zur neuen Qualität eines transformierten Ich.” (Jean Améry)
Die Verdrängung der narzisstischen Kränkung sei die Voraussetzung dafür, “daß das Alter wieder aufersteht – als wohlversorgter Ruhestand” von “Seniorinnen und Senioren”. Diese erlebten die für frühere Generationen problematische Phase ihres Lebens als glücklichste, sofern ihr finanzieller und gesundheitlicher Status sie zu den “Woopies” (“well off older people”) oder den “Wollies” (“well income old leasure people”) gehören lässt. Dass sie sich, laut Statistik, 14 Jahre jünger fühlen, als sie sind, und glauben, acht Jahre jünger auszusehen, und dass diese Diskrepanz mit steigendem Alter und höherem sozialen Status zunimmt, mag den Leser amüsieren. Die Scheinsignifikanz solcher Untersuchungsergebnisse, die letztlich maßstabslos sind, denn wer weiß schon, wie man sich als 77-Jähriger fühlt oder als 80-Jährige aussieht, thematisiert Schlaffer nicht. Dafür widmet sie sich einem anderen, weniger diskurshistorischem als sozialgeschichtlichem Phänomen, der Verbürgerlichung aristokratischer Gesten und Lebensformen in der Vita jener, die in “Seniorenresidenzen” lebend, ihre Selbstverwirklichung im Seniorenstudium, Bildungsreisen, Kulturgenuss und Gärtnerfreuden suchen. Die neuen kultivierten Lebensformen kommen Professoren und Kustoden zugute, also Berufsständen, die ihren Achtungsverlust in der Gesamtgesellschaft im gar nicht so kleinen Kreis ihrer alten (Zu-)Hörer ausgleichen können. Dass der Titel “Senior” in seiner maskulinen Form an “Senex” und “Senator” erinnert, verleihe den “Senioren” eine Würde, die den “Seniorinnen” fehle. Und das nicht nur qua Titel. Die alternde Ehefrau könne allein durch ihre Alltagsaufsicht über den pensionierten Ehemann Einfluss ausüben und ihren Wirkungsraum erweitern – und diese Möglichkeit nutze sie. Schlaffers Beobachtungen einkaufender Ehepaare sind ebenso treffend wie klischiert; sie setzen dem Text kabarettistische Lichter auf und erlauben zugleich weit ausholende, zuweilen auch fragwürdige Assoziationen. Und das ist vielleicht sogar gewollt.
Denn während das Thema “Der alte Mann und das Mädchen” als traditionsreiche Erscheinung in Kunst und Leben dem Mann ein probates Verjüngungsmittel zur Verfügung stelle, das heute gesellschaftlich akzeptiert, wie Schlaffer glaubt, sogar adoriert wird, bleibt der sich gegen das Alter stemmenden Frau nur die Rolle der “unwürdigen Greisin”. Das von Brecht am Beispiel seiner Großmutter gefeierte Rollenmodell sieht Schlaffer auch durch die alte Bettina von Arnim verkörpert, die tat, “was jede intelligente alternde Frau gern täte: lieben, denken, schreiben, Reden schwingen, publizieren – eben frei sein.”
Schlaffers Buch als Erfüllung dieses Wunsches zu begreifen lässt manche seiner Schwächen als Stärken erscheinen, und das kulturwissenschaftliche Schwadronieren der Autorin als ein ‘Reden Schwingen’ im öffentlichen Raum, das Aufmerksamkeit ebenso garantiert wie Zustimmung (der Leserinnen). Vielleicht ist das eine weibliche Entgegnung auf das männliche Modell des Publizierens als Wunsch nach “Nachhaltigkeit” und Dauer: die Versicherung der Präsenz in der Gegenwart und die Demonstration einer intellektuellen Vitalität, die sich wenig Zügel anlegen lässt.”
Alexandra Pontzen, 2004
Hannelore Schlaffer
Rudolf Bähler: Produktives Leben im Alter hat viele Gesichter
Link: http://www.be-werbung.ch/downloads/09/Produktives_Leben_im_Alter.pdf
Auszug aus der Website:
“«Sie wollen Ihre – vielleicht vorzeitige – Pensionierung selbstständig und unabhängig gestalten? Ihnen schwebt eine Tätigkeit als Freelancer oder Kleinunternehmer vor?» Mit diesen Worten wirbt SeniorNet, das «Netzwerk selbstständiger aktiver Senioren», für Mitglieder. Einer seiner Mitbegründer ist Gert Harries. Die vor einigen Jahren von oben verordnete Frühpensionierung traf ihn unvorbereitet. So beschloss der ehemalige leitende Angestellte, eine Zweitkarriere zu wagen. Er gründete eine Kunstgalerie, die zwar nicht das grosse Geld abwirft, doch mehr als nur die Kosten deckt. Und das ist denn auch das Ziel von SeniorNet: Männer und Frauen in eine Tätigkeit zu begleiten, die einen materiellen Ertrag abwirft. Devise: Produktiv auch nach der Pensionierung.”
Rudolf Bähler, 2008
